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(3) Print-on-Demand und Kleinauflagen als Chance für Autoren, Kleinverlage und Leser (Version 2)

In jedem Jahr gibt es mehr als 300.000 Neuerscheinungen. Eine wahre Flut von Büchern. Ursprünglich war es so gedacht, dass die Buchmessen (allen voran in Frankfurt am Main und Leipzig) dieses gigantische Ensemble vorstellen. Buchmessen sind allerdings sehr teuer. Viel zu teuer für Kleinverlage oder gar Bücher, die im Selbstverlag erscheinen. Zumindest für die letzte Gruppe gibt es auf der Buchmesse ein Forum. Für einen geringen Betrag kann man sein Buch dort einstellen. Resonanz ungewiß. Lesungen sind bisher nicht möglich.

Ein guter Teil der Neuveröffentlichungen sind inzwischen Bücher von Autoren, die im Print-on-demand-Verfahren preisgünstig produzieren. Für den, der es noch nicht weiß: Es gibt spezielle Druckereien, die das Buch digital erfassen und jede Bestellung seperat ausdrucken und ausliefern. Das ist im Druck teurer als ein Buch in Großserie, aber es ist flexibel. Lagerkosten entstehen nicht. Der Autor / Selbstverlag kann sich eine Kleinauflage drucken lassen und dies direkt verkaufen, oder an Freunde und Verwandte abgeben. Auch Buchgroßhändler sind schon dazu übergegangen, solche Spezialdrucker für wenig genutzte Bücher aufzustellen, weil sie damit Lagerkosten einsparen können.

Während bisher ein Buch stets ein fertiges Endprodukt war, bietet dieses Verfahren (egal ob Print-on-demand oder Kleinauflage im Digitaldruck) ein neues Verfahren an, das ich einmal als "das lebende Buch" bezeichnen möchte.

Autoren und Kleinverleger können sich selten einen Korrektor leisten. So sammeln sich unwillkürlich Schreibfehler, Kommasetzungsfehler und Wiederholungen an, spätestens seit der großen Rechtschreibreform im Jahr 2000 mit der alles besser und einfacher werden sollte. Wurde es nicht, und heute noch lehnen 75 % der Deutschen diese Reform ab. Solche Rechtschreibfehler können peinlich sein aber auch nicht. Sie können dazu führen, dass der Kritiker vorschnell aburteilt, das Buch sei handwerklich nicht ordentlich gemacht. Mal ernsthaft: Was ist so schmählich daran, "aneinanderzureihen" zu schreiben oder "aneinander zu reihen" ? Auch wir unterliegen diesem Dilemma. Allerdings bietet der Digitaldruck in Kleinauflage eine faszinierende Möglichkeit. Man kann die Texte auch nach der ersten Auflage überarbeiten und in der nächsten Kleinauflage korrigiert vorlegen. Nicht nur Schreibfehler lassen sich auf diese Weise verändern. Der Spannungsbogen kann erhöht werden. Ganze Absätze können gestrichen oder neu eingefügt werden. Das Buch kann einen neuen Schluss oder Anfang bekommen. Ein Buch also, das sich von Auflage zu Auflage verändert und sehr wahrscheinlich auch steigert. Digitale Verfahren ermöglichen das "lebende Buch".

Wir kennen das Verfahren der ständigen Veränderung eines Originals bisher aus der analogen Malerei. Vincent Van Gogh, Matisse und viele andere haben ihre Bilder immer wieder überpinselt, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Wir kennen das aus Filmexperimenten: Filme, die durch das Votum der Zuschauer eine andere, neue Handlung bekommen. Es gibt Bücher, bei denen der Autor das erste Kapitel schreibt, und die Leser ergänzen die Story. Im Zeitungsdruck kann man das durch täglichen Abdruck einer neuen Folge hervorragend leisten. In der Fotografie werden Bilder digital, geschönt bevor das Endergebnis erreicht ist (was ist die Werbung ohne digitale Retusche). Bei Hardware (etwa Handys oder Digitalkameras) werden minimal getestete Produkte ausgeliefert, und erst zu einem späteren Zeitpunkt verbessert, nachdem die Käufer Fehler feststellen. Bei Software gibt es ständig neue Updates. Das ist nun nicht unbedingt ein Betrug am Kunden, sondern die Chance der ständigen Anpassung, Erneuerung und Verbesserung des Produktes. Was ist also original ??? Warum soll das bei einem Buch nicht genau sein dürfen?

Bisher ist diese Möglichkeit im Bereich Buch wenig genutzt. Zu wenig finden wir. Ein bisschen hängt das mit den Buchkritikern und Buchhändlern zusammen (die ja auch Buchkritiker sind). Sie beurteilen ein fertiges (End) Produkt.

Weil sie sich aber zugleich wie ein Wahrer der deutschen Sprache verstehen, beurteilen sie solche handwerklichen Fehler, wie Schreibfehler oft vernichtender, als den Inhalt des Buchs oder den Spannungsbogen. Den meisten Lesern ist das hingegen ziemlich egal, wie Umfragen ergeben. Manchen fallen Fehler nicht einmal auf. Das kann viele Gründe haben. Schließlich stellen auch Lehrer, Gutachter und die Persalchefs immer wieder fest, dass die deutsche Sprache sehr ungenügend ausgebildet ist, schon gar die Schriftsprache. Das liegt nicht nur an der Schule, sondern auch am Konsum digitaler Medien, wie Musik oder Film. Youtube ist einer dieser Kanäle, die solches Teil-Analphabetentum begünstigen (was nun nicht gegen Youtube geht, sondern mit Sehgewohnheiten zusammenhängt), aber auch die Zahl der Legastheniker steigt.

Dies hat nun auch etwas mit der deutschen Sprache und der Umstellung der Rechtschreibreform zu tun, die immer noch nicht abgeschlossen ist, wenn wir einmal die Duden-Ausgaben der letzten Jahre miteinander vergleichen. Es ist oft nicht nachzuvollziehen, warum ein Wort mit ss oder ß geschrieben wird, warum mit e oder a oder ä, mit 3 f (Stofffetzen), mit f statt ph (Alpha, Fanfare), oder mit z oder t (wie rational, funktional, oder aber Potenzial, was früher als Potential geschrieben wurde), mit k oder x (Exzess), mit t oder th (Tee und Legasthenie). Das Word Korrekturprogramm hilft da oft weiter, aber nicht immer. Anderes macht hingegen Sinn, weil es sich aus bestimmten Worten ableitet. Der Uronkel ist eben kein Uhronkel, aber man könnte ihn auch Uuronkel (mit einem langen U) schreiben. Viele Schreibunkundige schreiben "voll" als "fol" und nun wird die Schriftsprache ganz unverständlich, wenn man denn jede Regel außer Acht läßt, und sei es nur aus Unkenntnis. Deutschland ist zudem ein Einwanderungsland. Türkisch-deutsch, Arabisch-deutsch, russisch-deutsch oder denglisch. Hinzu kommen die vielen Dialekte.

So bietet sich also die Chance, diese verschiedenen Sprachen und Schreibformen zu nutzen und ein wenig auf Korrektness bei Schreibfehlern zu verzichten, wie ein Stilmittel. Ein unerschöpfliches Reservor an neuen Moglichkeiten, bis hin zur Lautsprache (isch sach ja nix, wo issende schlissel, è Glaas Woi). Man könnte sogar behaupten, letztlich sei die Schreibweise egal, wenn nur der Sinn richtig erfasst wird, und wenn die wichtigsten Grundregeln für eine Allgemeinverständlichkeit beachtet werden. Warum fragt der Kritiker, machen wir es dann nicht gleich korrekt?? Das ist eben die Frage nach Subjektivität und Objektivität und einer übersteigerten Rechthaberei. Vor 2000 hätte ich das nie so gesagt, aber heute gilt das, weil sich die Grundvoraussetzungen verändert haben.

So gibt es Sprachen, die nur für Eingeweihte verständlich sind, und Slangs haben durchaus ihre Berechtigung, auch in der Schriftsprache. Gerade las ich einen Kommentar auf Youtube: "hab nun Lust auf Gürken". Ein anderer Kommentar ist dafür umso verständlicher: "was das fol scheisse e". Man kann das in einem Satz zusammenfassen: Nutze die Möglichkeiten, einschließlich aller Fäkal- und Slangausdrücke, wenn du willst.

Man kann solche "lebenden Bücher" produzieren im herkömmlichen Digital-Printverfahren und auch im e-Book. Den Kritikern und Buchhändlern sei angeraten, nicht päbstlicher zu sein als der Papst. Eine korrekte Schreibweise im Buch für Schüler mag ja sinnvoll und notwendig sein, aber man muss das nicht überbewerten (ich höre schon die Protestschreie).

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